|
Editorial
|
Liebe Leserinnen und Leser
Die Nationale Plattform gegen Armut legt in der Periode zwischen 2025 und 2027 zwei thematische Schwerpunkte: Die Prävention und Bekämpfung von Familienarmut und des Nichtbezuges von Sozialleistungen. Zudem unterstützt die Nationale Plattform den Aufbau eines Rats für Armutsfragen.
Mehr zu den geplanten Arbeiten der Plattform sowie zu weiteren Aktualitäten zu diesen Themen finden Sie in diesem Newsletter. Ansätze zur Bekämpfung von Familienarmut werden in einer Studie der OECD sowie einem SKOS-Grundlagenpapier beleuchtet. Eine neue Studie vergleicht die kantonalen Sozialhilfegesetze und erörtert mögliche Hindernisse im Bezug von Sozialhilfe. Zudem können wir auf verschiedene Partizipationsveranstaltungen von und mit armutserfahrenen Personen in den nächsten Monaten verweisen. Neben den Schwerpunkten finden Sie weitere Beiträge zur Situation von Jugendlichen am Übergang in die Berufsbildung und Arbeitswelt sowie zu neuen Aktivitäten im Bereich der Förderung von Grundkompetenzen und Qualifizierung von Erwachsenen.
Am Schluss des Newsletters finden Sie wie üblich unsere Hinweise auf Veranstaltungen im Bereich Armutsbekämpfung und -prävention.
Eine gute Lektüre wünscht Ihnen das Team der Nationalen Plattform gegen Armut
|
Themenschwerpunkte der Nationalen Plattform gegen Armut 2025-2027
|
Die Nationale Plattform setzt sich für die nächste Etappe von 2025 bis 2027 zwei Schwerpunktthemen, auf die sich die Aktivitäten konzentrieren werden. Dies geschieht in Absprache mit den verschiedenen Partnern und Partnerinnen der Plattform. Dabei knüpfen die Themen an die bisher von der Nationalen Plattform gegen Armut geleisteten Arbeiten an.
Der erste Schwerpunkt «Prävention und Bekämpfung von Familienarmut» greift bisherige Ergebnisse auf – etwa über den Bedarf an bereichsübergreifenden Strategien, kombinierten finanziellen und weiteren Hilfen sowie an koordinierter Zusammenarbeit. Diese bisherigen Erkenntnisse und Empfehlungen werden in einem ersten Schritt kompakt für Verantwortliche in Städten, Gemeinden und Kantonen gebündelt, mit ihnen diskutiert und dabei auch ihr konkreter Unterstützungsbedarf im Thema erhoben. Im Schwerpunktthema Nichtbezug von Sozialleistungen wird darauf gezielt, Fachpersonen vor allem in den Kantonen und Gemeinden für das Thema zu sensibilisieren. Dafür wird vorhandenes Wissen gebündelt, praxisnah aufbereitet und bekannt gemacht. Weiter unterstützt die Nationale Plattform gegen Armut den Aufbau des Rats für Armutsfragen in einer Pilotphase.
Mehr Informationen
|
|
Starting Strong: aktualisierte Empfehlungen der OECD im Bereich frühe Kindheit zur Reduktion von Ungleichheiten
|
Die frühe Förderung leistet einen wirkungsvollen Beitrag zur Armutsprävention, da sie die ungleichen Startbedingungen von sozial benachteiligten Kindern und Familien verringert. Ein neuer Bericht der OECD hebt Lücken in der Zugänglichkeit und Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung hervor und präsentiert zugleich eine «Roadmap», wie soziale Ungleichheiten noch stärker reduziert werden können. Die zwei zentralen Empfehlungen lauten, erstens universelle Massnahmen, die sich an alle richten, mit Massnahmen zu kombinieren, die sich zielgruppengerichtet auf die am stärksten benachteiligten Menschen konzentrieren. Zweitens soll eine frühkindliche Bildung sektorübergreifend mit anderen Sozial- und Gesundheitsleistungen verknüpft werden. Dabei sollen Programme partnerschaftlich mit den Eltern zusammenarbeiten (vgl. dazu auch Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention, 2016). Wie gezielte Koordination und Zusammenarbeit bei der Prävention und Familienarmut aussehen kann, zeigt u.a. der Forschungsbericht der Nationalen Plattform gegen Armut «Koordinierte Prävention und Bekämpfung von Familienarmut» 2024.
Mehr Informationen
|
|
Überarbeitetes SKOS-Grundlagenpapier: Familien-Ergänzungsleistungen als wirksames Instrument der Armutsbekämpfung
|
In der Schweiz haben Einelternhaushalte und kinderreiche Familien ein erhöhtes Armutsrisiko. Dies spiegelt sich unter anderem in den höheren Sozialhilfequoten für diese Gruppen wider. Davon betroffen sind nicht zuletzt Kinder und Jugendliche, wodurch die Gefahr der Weitergabe von Armut innerhalb der Familie besteht. Mehrere Kantone haben als Unterstützungsinstrument für armutsgefährdete Familien der Sozialhilfe vorgelagerte Ergänzungsleistungen für Familien eingeführt – jüngst auch der Kanton Fribourg. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) analysiert in einem umfassend überarbeiteten Grundlagenpapier diese verschiedenen kantonalen Ansätze. Sie bietet eine Übersicht über Anspruchsvoraussetzungen und Leistungen und ordnet sie in den grösseren Rahmen der Prävention und Bekämpfung von Familienarmut ein. Dabei empfiehlt die SKOS den Kantonen die Einführung von Familienergänzungsleistungen (Familien-EL), weil diese eine wirksame und niederschwellige Besserstellung von Familien mit tiefen Einkommen darstellt und gleichzeitig die Sozialhilfe entlasten. Die Kantone Tessin, Waadt und Genf konnten mit der Einführung der Familien-EL ihre Sozialhilfequote bei Kindern senken.
|
|
Jugendliche entlang der Übergänge I und II
|
|
Analyse: BFS-Zahlen bestätigen: Soziale Herkunft prägt Bildungschancen
|
Eine Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom März dieses Jahres zeigt, dass die Verteilung von Bildungsabschlüssen stark von sozioökonomischen Faktoren geprägt ist. Jugendliche aus Familien mit Bezug von wirtschaftlicher Sozialhilfe weisen das höchste Risiko auf, keinen Abschluss der Sekundarstufe II zu erlangen (24,2 %). Auch Jugendliche aus Haushalten mit sehr niedrigem Einkommen (12,7 %) und aus Einelternfamilien (12,5 %) sind deutlich häufiger betroffen als der Durchschnitt (8,2 %). Die Ergebnisse zeigen: Soziale Herkunft und familiäre Ressourcen prägen die Bildungschancen weiterhin stark. Ein kürzlich erschienener Artias-Beitrag weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass im schulischen Alltag Kinder aus armutsbetroffenen Familien häufig übersehen werden. Um die Bildungsgerechtigkeit zu stärken, empfiehlt Artias, die Bedeutung der sozialen Herkunft bewusst im Unterricht sowie in der Ausbildung der Lehrkräfte zu thematisieren. Insbesondere soll adressiert werden, wie sich die Alltagsrealitäten von Schüler/-innen ausserhalb der Schule auf sie auswirken, und umgekehrt, wie die Schule selbst bestimmte Vorstellungen dieses Alltags erwartet und sich dadurch Ungleichheiten reproduzieren.
Mehr Informationen
|
|
Evaluation: Umsetzung der Neuerungen in der IV am Übergang I
|
Ein gelungener Einstieg in den Arbeitsmarkt und Abschluss einer Berufsausbildung ist entscheidend für die soziale und berufliche Integration im weiteren Leben und damit für die Vorbeugung von Armut. Insbesondere bei Jugendlichen mit gesundheitlichen Einschränkungen spielt dabei die gezielte Zuweisung zu bedarfsgerechten Massnahmen eine zentrale Rolle. Die 2022 eingeführten Neuerungen der Invalidenversicherung (IV) erweisen sich hier als vielversprechend, wie eine aktuelle Evaluation im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) zeigt.
Mit neuen Instrumenten konnte die Zusammenarbeit von IV-Stellen mit kantonalen Koordinationsstellen, oftmals dem «Case Management Berufsbildung», gestärkt sowie die Angebote zur Vorbereitung auf eine berufliche Ausbildung erweitert werden. Damit wird eine zielgerichtetere Früherfassung und eine bedarfsorientiertere Unterstützung von Jugendlichen mit gesundheitlichen Einschränkungen angestrebt. Gemäss Evaluation bzw. den befragten Fachpersonen werden diese Ziele erreicht. Sie bewerten die Einführung dieser Instrumente grundsätzlich positiv. Die grössten Herausforderungen am Übergang I bestehen insbesondere in der zunehmenden Anzahl Fälle von Jugendlichen mit komplexen psychischen Erkrankungen und in der angespannten Situation im psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich. Eine Beurteilung der längerfristigen Wirkung der Neuerungen ist erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich, ihre Evaluation ist aber bereits geplant.
Mehr Informationen
|
|
Qualifizierung Erwachsener
|
|
Überblick in der Finanzierung der Grundkompetenzförderung
|
Weil Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen stärker artmutsgefährdet sind, ist die Förderung von Grundkompetenzen mittels Weiterbildungen für die Armutsprävention ein wirksamer Ansatzpunkt. Gemäss einer Studie im Auftrag der Nationalen Plattform gegen Armut ist dabei eine klare Informationsvermittlung und eine gesicherte Finanzierung wichtig, um Weiterbildungen für Betroffene zugänglich zu gestalten. Doch gerade in Finanzierung dieser Weiterbildungen gibt es viele verschieden Akteure, Förderstrategien und Finanzierungsweisen. Das kann es sowohl für Fachpersonen als auch die adressierten Zielgruppen schwierig machen, einen Überblick über Förderungsoptionen zu gewinnen.Im Rahmen der Weiterbildungsoffensive veröffentlichen die SKOS und der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) ein Grundlagenpapier zur Finanzierung in der Grundkompetenzförderung. Darin werden die verschiedenen Finanzierungsgrundsätze in den Bereichen Sozialhilfe, Integrationsförderung, arbeitsmarktlichen Massnahmen und Invalidenversicherung übersichtlich dargestellt. Das Dokument kann insbesondere für Fachkräfte in Sozialdiensten und anderen Bereichen eine nützliche Arbeitshilfe darstellen.
Mehr Informationen
|
|
Gemeinsames Verständnis von Qualität in der Förderung von Grundkompetenzen
|
Im Jahr 2024 entwickelte die Arbeitsgruppe «Grundkompetenzen» der Nationalen Interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) ein gemeinsames Verständnis darüber, was Qualität in der Förderung von Grundkompetenzen bei Erwachsenen bedeutet. Dabei werden verschiedene Dimensionen berücksichtigt, beispielsweise die Kommunikation oder Durchlässigkeit von entsprechenden Angeboten. Das geteilte Verständnis von Qualität ermöglicht es Akteuren der Grundkompetenzförderung aus verschiedenen Politikbereichen, darauf Bezug zu nehmen, z.B. bei der Vergabe von Aufträgen oder der Koordination der Förderpolitik.
Als weiterer Schritt wird bis Sommer 2026 eine Toolbox erarbeitet. Darin werden die Qualitätsdimensionen mit Praxisbeispielen veranschaulicht und konkretisiert. Stellen auf Bundes- und Kantonsebene, die für Grundkompetenzangebote zuständig sind, können die Toolbox nutzen, um ihre Aktivitäten und Massnahmen zu verbessern.
Mehr Informationen
|
|
Forum Weiterbildung: Was motiviert Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen?
|
Um Weiterbildungsangebote für Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen zugänglich zu gestalten, ist es entscheidend, deren Motivation und Erwartungen zu berücksichtigen. Wie können wir diese Menschen besser erreichen, motivieren und langfristig für Lernangebote gewinnen? Das Forum Weiterbildung 2025, organisiert vom SBFI, widmet sich genau diesen Fragen. An der Tagung werden Studienergebnisse, Praxisbeispiele und Handlungsempfehlungen vorgestellt und diskutiert.
Mehr Informationen und Link zur Anmeldung
|
ATD Vierte Welt: Dialogveranstaltungen zwischen Menschen mit und ohne Armutserfahrung
|
Die Sichtweise und das Erfahrungswissen von Armutsbetroffenen helfen, ein tiefgreifendes Verständnis von und angemessene Reaktionen auf Armut zu entwickeln. Die Organisation ATD Vierte Welt Schweiz, unterstützt durch das Migros-Kulturprozent, fördern dies in einem neuen Dialogformat, in dem sich Menschen mit und ohne Armutserfahrungen begegnen und austauschen können.
In den nächsten Monaten sind bereits an verschiedenen Orten in der Schweiz Dialogveranstaltungen geplant. Zudem besteht das Angebot, eine solche Veranstaltung bei ATD Vierte Welt zu buchen. So können NGOs, Gemeinden, Kantone und Vereine einen Dialog auch in ihrem Rahmen durchführen und nutzen.
Mehr Informationen
|
|
"Rein ins Netz!": Migros-Kulturprozent unterstützt Projekte zur Förderung digitaler Teilhabe
|
Der Zugang zu digitalen Geräten und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien sind heute notwendig, um am ökonomischen, sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft teilhaben zu können. Für armutsgefährdete und -betroffenen Personen ist es deshalb wichtig und nützlich, wenn sie einen niederschwelligen Zugang zu digitalen Infrastrukturen besitzen, wo sie ihre digitalen Skills aufbauen und erweitern können.
Das Migros-Kulturprozent unterstützt in einer Ausschreibung Projekte, welche digitale Kompetenzen von armutsbetroffenen Personen stärken. Vereine, Digital-Cafés, Quartierzentren oder Peer-to-Peer-Angebote, welche dieses Ziel verfolgen, können sich zwischen 23. Juni bis am 31. Oktober 2025 um finanzielle Unterstützung bewerben.
Mehr Informationen
|
Studie: Ungleiche Zugangsbedingungen zur Sozialhilfe in kantonalen Sozialhilfegesetzen
Rund ein Viertel der Personen, die Anspruch auf Sozialhilfe haben, machen diesen nicht geltend. Welche Rolle spielen dabei die Gesetzgebungen? Eine Studie der Berner Fachhochschule und der Hochschule Luzern analysierte die kantonalen Sozialhilfegesetze im Hinblick darauf, welche Faktoren den Bezug von Sozialhilfe fördern oder behindern. In einem Interview präsentieren die Projektleitenden die bisherigen Ergebnisse. Die Studie untersuchte die mobilisierungsfördernden bzw. -hindernden Faktoren auf individueller Ebene (Regelung der Rechte, Pflichten, Sanktionen etc.) und organisational-strukturellen Ebene (Regelungen zur Finanzierung, Vollzugsstrukturen und Verfahrensprozesse). Mobilisierungshindernisse sind auf beiden Ebenen zu finden, auf organisatorischer Ebene z.B. die fehlende Regionalisierung und Professionalisierung eines Sozialdiensts, auf individueller Ebene bspw. die Rückerstattungspflichten. Die Resultate zeigen sehr unterschiedliche Zugangsbedingungen zur Sozialhilfe je nach zuständigem Wohnort. Trotz der SKOS-Richtlinien sind die Unterschiede zwischen den Kantonen gross. Vor dem Hintergrund dieser ungleichen Zugangsbedingungen empfehlen die Autorinnen und Autoren aus verfassungs- und grundrechtlicher Sicht, die Mobilisierungsfreundlichkeit in den Sozialhilfegesetzen zu erhöhen und die Unterschiede zwischen und innerhalb der Kantone zu verringern.
Mehr Informationen
|
|
|
|
|
|
|