Liebe Leserinnen und Leser
Nichtbezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen und Familienarmut sind die aktuellen Themenschwerpunkte der Nationalen Plattform gegen Armut. Diesen beiden Herausforderungen widmet die Plattform ihre nationale Tagung «Was tun gegen Familienarmut und Nichtbezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen?» am Freitag, 4. Dezember 2026 in Bern. Organisiert wird sie vom Bundesamt für Sozialversicherungen gemeinsam mit der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren und dem Schweizerischen Städteverband. Programm und Anmeldung finden Sie in diesem Newsletter.
Zwei Orientierungshilfen bilden die fachliche Grundlage der Tagung. Ab sofort verfügbar ist die Orientierungshilfe «Massnahmen gegen Nichtbezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen» - mehr dazu weiter unten. Die zweite Orientierungshilfe zur «Prävention und Bekämpfung von Familienarmut» erscheint im November 2026.
Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre.
Team Nationale Plattform gegen Armut
Familienarmut gefährdet die Entwicklungs- und Zukunftschancen von Kindern. Sie ist mehr als ein Mangel an Geld: Neben der Existenzsicherung als Basis braucht es Unterstützung in Bereichen wie Erwerb, Bildung, Wohnen oder Gesundheit – koordiniert und zielgruppengerecht.
Ebenso zentral ist die Prävention und Bekämpfung des Nichtbezugs bedarfsabhängiger Sozialleistungen: Ein bedeutender Anteil der Berechtigten nimmt Leistungen wie Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen gar nicht erst in Anspruch, mit spürbaren Folgen für ihre soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Situation.
Zu Familienarmut und Nichtbezug hat die Nationale Plattform gegen Armut Orientierungshilfen erarbeitet, die Wissen und erfolgsversprechende Ansätze für die Praxis bündeln. An der Tagung stellen die Autor:innen die Publikationen vor, und Workshops und Kleingruppen bieten Raum, mögliche Massnahmen anhand von konkreten Praxisbeispielen zu vertiefen.
Die Tagung richtet sich an Fach- und Führungspersonen aus Kantonen, Städten, Gemeinden und dem Bund, die in der Ausgestaltung bedarfsabhängiger Sozialleistungen oder in der Familienpolitik tätig sind, sowie an zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschen mit Armutserfahrung und weitere interessierte Stellen. An der Tagung bringen Menschen mit Armutserfahrung ihre Perspektive in verschiedenen Programmpunkten ein und verbinden so Fach- mit Erfahrungswissen.
Die Veranstaltung findet am Freitag, 4. Dezember 2026 in Bern statt.
Bedarfsleistungen wie die Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen der AHV und IV sowie die individuelle Prämienverbilligung nehmen im System der sozialen Sicherheit eine wichtige Rolle ein. Ein bedeutender Teil der Anspruchsberechtigten nimmt diese Leistungen jedoch nicht in Anspruch – mit negativen Folgen für betroffene Personen und die Gesellschaft. Schätzungen gehen für einzelne Leistungen und Kantone von Nichtbezugsquoten von bis zu 40 % aus.
Im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen hat das Forschungsbüro econcept im Rahmen der Nationalen Plattform gegen Armut eine Orientierungshilfe erarbeitet, die praxisnah aufzeigt wie Nichtbezug zustande kommt und wie er reduziert werden kann. Begleitet wurde die Arbeit von einer Projektgruppe aus Vertretenden von Kantonen, Städten, Bund und Menschen mit Armutserfahrung.
Die Orientierungshilfe beinhaltet
- einen Überblick über die Gründe für Nichtbezug und die wichtigsten Handlungsfelder,
- zentrale Argumente für ein Vorgehen gegen Nichtbezug,
- eine Sammlung konkreter Handlungsansätze mit Praxisbeispielen aus Kantonen und Städten.
Sie richtet sich an Fachpersonen und Entscheidungstragende der Politik und Behörden sowie privater Institutionen, die für die Gestaltung und Ausrichtung von Bedarfsleistungen verantwortlich sind.